StartseiteTesten Sie die Online-LernmöglichkeitenSection1- Einführung Wissensmanagement

1.3.2 Grundlegende Wissenskonzepte – Daten, Informationen, Wissen und Weisheit



Der Begriff „Wissen“ wird seit Jahrhunderten diskutiert. In den Werken der griechischen Philosophen ist der Ursprung des Wissens der Mensch. Von Platon zum Beispiel  stammt die Vorstellung, dass  rechter Glaube in Wissen umgewandelt werden kann, indem man ihn mit Hilfe des Verstandes oder einer Ursache festlegt. Aristoteles war der Ansicht, dass das Wissen um eine  Sache  beinhaltet, dass man sie versteht und zwar in Bezug auf die Gründe für sie. In der westlichen Philosophie wird Wissen als etwas Abstraktes, Universelles, Objektives und Rationales angesehen. Es wird als eigenständiges Artefakt  (materielle Aufzeichnung) betrachtet, das technisch erfasst werden kann und in seiner Wesenheit wahr ist [4]. Dieses Verständnis von Wissen  beeinflusste in hohem Maße die Beschaffenheit der ersten Wissensmanagement-Tools, die in den neunziger Jahren entwickelt wurden. Die meisten Hilfsmittel und Wissensmanagement-Modelle in diesem Zeitraum versuchten Wissen mehr als Artefakt zu handhaben, denn als Element, das tief im menschlichen Verständnis, im menschlichen Verhalten und in sozialen Interaktionen am Arbeitsplatz  verwurzelt ist. Der Forschung zufolge scheiterte die Mehrheit der Wissensmanagement-Tools der ersten Generation - oder erreichte zumindest nicht die anfänglich gesetzten Ziele -  weil sie  sich nicht ausreichend  auf menschliche Faktoren konzentrierten. Das Wissen hat eine weitaus komplexere Beschaffenheit als einfache Daten und Informationen und erfordert den aktiven Beitrag von Menschen um Wissenssysteme zu handhaben. Um ein  angemessenes Wissensmanagement zu implementieren ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, frühzeitig die Hauptunterschiede zwischen Daten, Informationen und Wissen zu klären. 

Die akademische Gemeinschaft hat viele Jahre damit zugebracht zu diskutieren und zu klären, was Daten, Informationen und Wissen sind.  In den Definitionen und der grundlegenden Terminologie gibt es Abweichungen abhängig vom Hintergrund des Autors und der spezifischen Ziele, die er verfolgt. 

Das Verhältnis zwischen Daten, Informationen, Wissen und Weisheit bildet eine Pyramide. Die Daten befinden sich an der Basis, in der Hierarchie gefolgt von Informationen, dann von Wissen. Die Spitze wird von der Weisheit gebildet. Abbildung 1.3. (1) zeigt das Verhältnis zwischen Daten, Informationen, Wissen und Weisheit.

Abbildung 1.3.(1) Verhältnis zwischen Daten, Informationen, Wissen und Weisheit. Quelle: Basierend auf Liebowitz (2003)


 

Daten:  eine Reihe von diskreten, objektiven Fakten über ein Ereignis oder einen Prozess, die für sich wenig Nutzen haben, es sei denn sie werden in Informationen umgewandelt. Daten zum Beispiel sind numerische Quantitäten oder andere Eigenschaften, die von Beobachtungen Experimenten oder Berechnungen abgeleitet sind. Kosten, Geschwindigkeit, Zeit und Kapazität sind quantitative Daten. 

Informationen: Daten, die mit Sinn und Zweck versehen sind. Sie haben Bedeutung und sind für einen bestimmten Zweck organisiert. Informationen zum Beispiel sind eine Sammlung von Daten mit  zugehörigen Erklärungen, Interpretationen und anderes Textmaterial, die ein bestimmtes Objekt, Ereignis oder einen bestimmten Prozess betreffen.Daten könnten in Informationen umgewandelt werden, indem man fünf Hauptverfahren anwendet [3]: ·          Verdichtung – Datenelemente werden zusammengefasst und in eine prägnantere Form gebracht. Unnötige Tiefe wird beseitigt;·          Kontextualisierung – der Zweck oder Grund, weshalb die Daten überhaupt gesammelt wurden ist bekannt oder selbstverständlich·          Berechnung – Daten werden verarbeitet  und kumuliert, um nützliche Informationen zu liefern·          Klassifizierung – ist ein Prozess, um den Daten eine Gattung oder eine Kategorie zuzuordnen·          Berichtigung – ist ein Prozess, um Fehler zu beseitigen 

Wissen: Eine Mischung aus gerahmter Erfahrung, Werten, Kontextinformationen, Expertenwissen und gegenstandverankerter Intuition, die ein Umfeld und Rahmenbedingungen schaffen, um neue Erfahrungen und Informationen zu bewerten und  einzubeziehen. Es hat seinen Ursprung und wird angewendet in den Köpfen der Menschen. In Organisationen wird es oft nicht nur in Dokumenten oder Archiven eingebettet, sondern auch in organisationalen Routinen, Prozessen, Praktiken, und Normen [3]. Wissen basiert auf Informationen, die organisiert, synthetisiert oder zusammengefasst sind, um das Verständnis, die Erkenntnis oder das Verstehen zu erhöhen. Wissen stellt einen Zustand oder ein Potenzial für Handlungen und Entscheidungen in einer Person, Organisation oder einer Gruppe dar. Es könnte beim Lernen, das Veränderungen im Verstehen, bei Entscheidungen und  im Handeln bewirkt, verändert werden. Eine bildliche Definition vergleicht Wissen mit einem Biss von einem roten Apfel –„ein Happen (Information) sollte genommen, gekaut und verdaut werden und dann sollte man  danach handeln, damit er zu Wissen wird.“ [6] Typische Fragen in Zusammenhang mit Daten und Informationen enthalten die Fragewörter wer?, was?, wo? und wann?, während Fragen, die sich auf  Wissen beziehen, wie? und warum? beinhalten. 

Weisheit: Die Fähigkeit, Wahrheit zu erkennen und richtige Urteile zu fällen auf der Grundlage von zuvor erworbenem Wissen, von Erfahrung und Einsichten. Innerhalb einer Organisation ist intellektuelles Kapital oder organisationale Weisheit die Anwendung von kollektivem Wissen.  

Daten, Informationen, Wissen und Weisheit – ein praktisches

Beispiel Geschäftssituation:Die Qualitätskontrolle eines Produktionsprozesses bei einem Weinhersteller. 

Daten: Die Daten könnten sich auf numerische Mengen von Prozesselementen  beziehen,   einschließlich Flaschengewicht, Daten über die Farbe des Weins und Daten über den prozentualen Anteil von Weinzutaten. Nur wenn diese Datenelemente in die richtige Reihenfolge gebracht werden oder in einen präziseren und besser organisierten Rahmen gestellt werden, werden sie eine Bedeutung haben. 

Informationen:In diesem Beispiel  könnten Informationen zum Beispiel aus einer  Excel-Tabelle bestehen, die verschiedene Produktionselemente einer bestimmten Rotweincharge beschreibt. Zum Beispiel könnte der Titel der Tabelle folgendermaßen lauten: Flaschengewicht für Roten Chardonnay, Charge Nr. 12445, produziert am 14.6.2006. Es ist offensichtlich, dass diese Tabelle mit geordneten Informationen einen bestimmten Zweck hat (das Flaschengewicht innerhalb akzeptabler Grenzen zu kontrollieren) und  dass sie mit einem bestimmten Produktionselement oder Objekt (Roter Chardonnay) und Produktionsereignis (Flaschen gefüllt für Charge Nr. 12445 am 14.6.2006) verbunden ist.  

Wissen:Wenn man über das spezifische Wissen diskutiert, das mit den oben genannten Daten und Informationen assoziiert ist, dann könnte man leicht feststellen, dass: 1. jemand diese Tabelle interpretieren muss, der Experte auf dem Gebiet der statistischen Qualitätskontrolle ist. Dieser wissensbasierte Prozess  erfordert neben Expertenwissen eine Mischung aus gerahmter Erfahrung, Werten und Kontextinformation.2. diese Person zusätzlich ein Bezugssystem für die Bewertung  der Informationen braucht, um eine Entscheidung treffen zu können. Die Person  könnte sie mit anderen Weinchargen vergleichen oder mit den akzeptablen Gewichtsgrenzen einer Weinflasche, wie sie von staatlicher Seite  auferlegt wurden. Die endgültige Entscheidung des Qualitätsmanagers könnte sein, die Flaschen zum Auffüllen zurückzuschicken, oder die Charge als Qualität A oder Qualität B einzustufen und dann zu entscheiden, in welche Märkte die Charge verkauft werden sollte.3. nur dieser Experte entscheiden könnte wie die fragliche Weincharge von den vergangenen Chargen und den Qualitätsstandards abwich und warum diese Charge an Markt A (anspruchsvollere Kunden) oder an Markt B (weniger anspruchsvolle Kunden) verkauft werden sollte. 

Weisheit:In diesem Beispiel könnte man die zugehörige Weisheit als die Fähigkeit des Qualitätsexperten oder der Qualitätsabteilung beschreiben, den gesamten Prozess der Qualitätskontrolle zu verbessern. Dazu würden sowohl die Qualitätsstandards als auch der erforderliche Kontrollprozess  unter Berücksichtigung von Vorwissen und  Erfahrung nochmals überprüft. In jedem der oben erwähnten Fälle wird die Firma den  Prozess der Qualitätskontrolle verbessern.  


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