StartseiteTesten Sie die Online-LernmöglichkeitenSection1- Einführung Wissensmanagement

1.3.4 Grundlagen des Wissensmanagements



A. Wissensmanagement-Prozesse

Das Wissensmanagement konzentriert sich auf die Erfassung des Fachwissens von Organisationen und Einzelpersonen und auf die Freisetzung und die Anwendung dieses Fachwissens, um den Nutzen und die Gewinne aus dem Wissenskapital zu maximieren. Das Wissensmanagement hilft dabei, das richtige Wissen an die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu bringen und sie so zu befähigen, optimale Entscheidungen zu treffen. Das Wissensmanagement beinhaltet die Identifizierung und Analyse verfügbaren und benötigten Wissens und die nachfolgende Planung und Kontrolle von Handlungen, um Wissenskapital zu entwickeln und so die Firmenziele zu erreichen. Um Wissen in einen wertvollen organisationalen Aktivposten umzuwandeln, müssen Wissen, Erfahrung und Fachkenntnisse formalisiert, verbreitet, weitergegeben und angewendet werden. Wissensmanagement gilt als entscheidender Bestandteil jeder Strategie, die Fachwissen nutzt, um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil unter heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Viele Autoren haben unterschiedliche Modelle für das Wissensmanagement vorgeschlagen, die zwischen zwei und acht unterschiedliche Prozesse umfassen [1,2,4,8] Abb. 1.3 (7).


Abbildung 1.3. (7) Wissensmanagement-Prozesse. Quelle: Bergeron (2003)



Das Wissensmanagement beinhaltet mehrere Prozesse [1]

Schaffung oder Erfassung – Wissen wird von Wissensarbeitern geschaffen oder gesammelt;
Modifizierung – Wissen wird modifiziert, um unmittelbaren oder zukünftigen Anforderungen zu entsprechen
Anwendung – das Wissen wir für einen spezifischen, sinnvollen Zweck eingesetzt
Archivierung – Wissen wird in einer Form und in einem Format gespeichert, die die Zeit überdauern und für die Wissensarbeiter einer Organisation auch in der Zukunft zugänglich und nutzbar sind (Kodierung);
Transfer – der Transfer oder die Übermittlung von Wissen von einer Person zur andern oder von einem Ort zum nächsten;
Umwandlung/ Anpassung an neuen Verwendungszweck – Wissen wird von seiner ursprünglichen Form in eine neue Form umgewandelt, die für einen neuen Zweck besser geeignet ist
Nutzerzugriff – Bereitstellung von begrenztem Zugriff für die Wissensarbeiter entsprechend ihrer Stellung in der Firma und ihrer Bedürfnisse;
Beseitigung – Es ist wichtig, genau zu bestimmen welche Informationen /welches Wissen gespeichert und welches gelöscht werden soll.

Für die Zwecke des praktischen Wissensmanagements könnten diese Prozesse zu verallgemeinerten Prozessen gruppiert werden, die besser zu den Geschäftsprozessen der Organisation passen.
Wie schon an früherer Stelle skizziert, ist zum Beispiel Firestone der Ansicht, dass es im Wesentlichen zwei Wissensmanagement-Prozesse gibt [2]:


Wissensproduktion - beinhaltet die Formulierung von Wissensanforderungen, individuelles Lernen und Lernen in der Gruppe, Beschaffung von Informationen, Bewertung von Wissensanforderungen, organisationales Wissen;
Wissensintegration – umfasst Wissensübertragung, Suche/Auffindung, Lehre, Weitergabe von Wissen, Datenbank verteilten organisationalen Wissens.

Abbildung 1.3. unten stellt ein Referenzmodell für das Wissensmanagement dar. Es wurde auf der Grundlage von Umfragen über Wissensmanagement-Praktiken entwickelt [8]. Dieses Modell besteht aus drei Schichten:

• Erste Schicht: Das Anwendungsgebiet von Wissen sind die wertsteigernden Geschäftsprozesse. Das Wissensmanagement ist eng mit den Geschäftsprozessen der Organisation verbunden; innerhalb dieser wird neues Wissen erzeugt.
• Zweite Schicht – Die Hauptprozesse des Wissensmanagements sollten in die Geschäftsprozesse integriert werden.
Dritte Schicht – der Gestaltungsbereich des Wissensmanagements; sie beinhaltet wesentliche Faktoren, die den Erfolg des Wissensmanagements bestimmen und ermöglichen.

Abbildung 1.3. (8) Kernprozesse und Gestaltungsfelder des Wissensmanagements. Quelle: Mertins et al (2003)


B. Das Wissensmanagement-System

Der Begriff „System“ bedeutet mehr als die simple Ansammlung von Einzelbestandteilen; er könnte definiert werden als eine Reihe von Zielen, die ein Ganzes bilden zusammen mit den Verbindungen zwischen ihnen und den Verbindungen zu ihrem Umfeld. Das System muss ebenfalls ein Ziel, einen Zweck und charakteristische Eigenschaften haben.

Wissensmanagement-Systeme werden oft von einem technologischen Standpunkt aus betrachtet, im Grunde entstanden sie jedoch als Systeme menschlichen Handelns. Wissensmanagement-Systeme basieren auf menschlichem Handeln in Bezug auf Wissensmanagement. Sie enthalten jedoch Untersysteme, die technologischer oder organisatorischer Art sind. Diese technologischen und strukturellen Elemente haben ganz einfach den Zweck, das Funktionieren des menschlichen Handlungssystems zu erleichtern.

Aus soziotechnischer Perspektive werden die folgenden drei Ebenen von Wissensmanagement-Systemen betrachtet [9]

Infrastruktur: liefert die technischen Komponenten für die Kommunikation zwischen den Mitgliedern des Netzwerks
Infostruktur: liefert die formalen Regeln, die den Kommunikationsaustausch zwischen den Netzwerk-Akteuren regeln. Sie liefert die kognitiven Ressourcen wie zum Beispiel Metaphern und gemeinsame Sprache, die benutzt werden, um die Kommunikation zu verstehen.
Infokultur: liefert das Hintergrundwissen, das vorausgesetzt wird, und in den sozialen Beziehungen und Arbeitsprozessen eingebettet ist. Diese Infokultur macht Beschränkungen hinsichtlich der Weitergabe von Wissen und Informationen.

Aus technologischer Sicht, könnte die integrierte Architektur der Wissensmanagement-Systeme, die den Firmennutzern (U1, U2, etc) zugänglich ist, aus sieben Schichten bestehen (Abbildung 1.3 (9)). Wie so oft, existieren die meisten der Technologien, die für das Wissensmanagement benötigt werden, schon innerhalb der Organisation. Man muss sich jedoch darauf konzentrieren, dass sie wirksam integriert werden [5].

Abbildung 1.3. (9): Modell der Architektur eines Wissensmanagement-Systems. Quelle: Tiwana (1999)



Wenn man ein Wissensmanagement-System entwirft, sollte man einige Prinzipien des Wissensmanagements berücksichtigen:
• Effektives Wissensmanagement erfordert Hybridlösungen, die sowohl die Menschen, als auch die Technologie einbeziehen
• Wissensmanagement benötigt Wissensmanager. Führung ist unerlässlich.
• Wissensmanagement bedeutet die Verbesserung von Wissensarbeitsprozessen
• Wissensmanagement hört nie auf
• Wissensmanagement erfordert einen Wissensvertrag (d.h. Regulierung der Fragen geistigen Eigentums)
• Wissensmanagement erfordert Training
• Praktisches Wissensmanagement ist technologieabhängig
• Wissensmanagement ist ein Prozess, kein Produkt


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